07.09.15 - Internationaler Jugendaustausch 2015

THW-Jugend Mecklenburg-Vorpommern e.V. und RSCOR (Russland) - eine Rundtour durch Mecklenburg-Vorpommern

Im Jahr 2013 lernten sich die Leiter beider Organisationen auf einem Kongress kennen und schnell war klar, dass die gemeinsamen Interessen und die gegenseitige Sympathie die besten Grundlagen boten, das Projekt Internationaler Jugendaustausch zwischen dem RSCOR und der THW-Jugend Mecklenburg-Vorpommerns anzugehen.

Nachdem im Jahr 2014 eine Delegation Mecklenburger THW´ler in Orenburg zu Gast sein durfte, folgten im August 2015 14 Jugendliche des  Russischen Studentencorps RSCOR aus Orenburg der Einladung nach Deutschland.

Der Bezirk Orenburg liegt im südlichen Teil Russlands, ist ca. 3.300 km (Luftlinie) von Berlin entfernt und hat ca. 2.033.072 Einwohner. Betrachtet man die Größe, so könnte der Bezirk Orenburg dreimal in die Fläche Deutschlands passen.

Lange wurde vorbereitet und organisiert; das Team der THW Jugend Mecklenburg-Vorpommern e.V. um Marcel Quaas und seinem Stellvertreter Dirk Schröder arbeiteten unter Hochdruck und so konnten wir ? junge THW´ler im Alter zwischen 15 und 17 Jahren aus den Ortsverbänden Rostock, Waren, Güstrow und Stralsund  - am 17.08.2015 unsere russischen Gäste am Flughafen Schönefeld in Berlin empfangen.

Nach der Ankunft stand für die kommenden 10 Tage nicht nur ein umfangreiches Ausflugsprogramm auf dem Plan.

Gemeinsame Ausbildungsdienste im Bereich der technischen Hilfe und der Besuch von Partnerorganisationen der THW-Jugend Mecklenburg-Vorpommern e.V. sollten diesen Jugendaustausch zu einer runden Sache machen.

Gemeinsam besuchten wir das russische Ehrenmal im Treptower Park in Berlin und legten dort zu Ehren der gefallenen Soldaten Blumen nieder.

Nachdem wir den Dienstag in Berlin mit einer umfangreichen Stadtführung verbrachten, begaben wir uns am Mittwoch auf den Weg nach Waren in Mecklenburg-Vorpommern. Sich mit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen und zu realisieren, was vor mehr als 70 Jahren geschah, wird heute leider zu sehr vernachlässigt.

Deshalb wollten wir in unserem Jugendaustausch auch den geschichtlichen Aspekt einfließen lassen und besuchten die Gedenkstätte Sachsenhausen.

Im Anschluss mussten wir aber auch deutlich machen, was für ingenieurstechnische Meisterleistungen damals geschaffen wurden und besuchten das Schiffshebewerk in Niederfinow -ein historisches Baudenkmal, welches heute noch zuverlässig seine Dienste verrichtet.

Nachdem wir die Natur und die Seenlandschaft um Waren erkundet hatten, führte uns unser Weg am Freitag weiter nach Güstrow.

Im dortigen Ortsverband wurde es dann technisch: gemeinsame Ausbildung war angesagt. So wurde neben Beleuchtung auch ein Dreibock aufgestellt, die Rettung einer Person mittels Leiterhebel vorgeführt und die benachbarte Feuerwehr besucht. Mecklenburg-Vorpommerns Landesbrandmeister Hannes Möller führte uns persönlich durch die Hallen und zeigte uns sowohl Fahrzeuge als auch die Funktion und den Umgang mit Atemschutzgerät.

Den Abend ließen wir im Wildpark Güstrow mit Gegrilltem ausklingen und pflanzten im Park einen Rhododendron als Andenken für diese gemeinsame Jugendbegegnung.

Beeindruckt waren die russischen Jugendlichen von der Minigruppe des OV Güstrow, die uns an diesem Tag begleitete. Die Idee, solch junge Mädchen und Jungen spielpädagogisch an den späteren ehrenamtlichen Dienst im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz heranzuführen, begeisterte die Russen.

Bei bestem Wetter erkundeten wir am Samstag Deutschlands größte Insel und unsere Gäste ließen es sich nicht nehmen, in die kühlen Fluten der Ostsee zu springen.

Am Sonntag stand dann wieder Ausbildung im Vordergrund.

Am Vormittag besuchten wir das Sicherheitstechnische Zentrum der Hansestadt Stralsund. Zunächst besichtigten wir die Fahrzeughallen und das Feuerlöschboot der Berufsfeuerwehr und bekamen in einer interessanten Führung einen Einblick in den Alltag der Berufsfeuerwehr.

Anschließend besuchten wir die Kameraden des ASB, welche uns eine Rettungsmethode (Transport eines Verletzten mittels Vakuumpolster) demonstrierten. Auch hier durften unsere Gäste tatkräftig mit anpacken.

Um unseren Gästen und auch unseren THW-Jugendlichen den Unterschied zwischen einer Berufs- und einer Freiwilligen Feuerwehr deutlich zu machen, fuhren wir am späten Vormittag zur befreundeten FF nach Preetz. Dort hatten die Kameraden auf einem nahegelegenen Feld ein kleines Übungshaus aus Holzpaletten aufgebaut, in Brand gesteckt und demonstrierte uns sehr anschaulich einen Löschangriff.

Indes bereiteten uns die Stralsunder THW-Kameraden einige Ausbildungsstationen in deren Ortsverband vor. So konnten sich die Jugendlichen am Nachmittag in der Anwendung von Schere und Spreizer üben, das Rettungsgeschirr anlegen und sich damit in Höhe begeben. Eine Aufgabe forderte viel Geschicklichkeit ab ? ein am Kranausleger befestigten Bolzen musste aus sicherem Abstand mittels der Kranfernbedienung in eine Wasserflasche geführt werden. Auch die Besichtigung von Gerät und Technik kam nicht zu kurz, insbesondere das Kettenfahrzeug Hägglunds der Fachgruppe Ölschaden hatte viele Interessenten gefunden. Am Abend wurden bei gemütlichem Grillen viele Eindrücke der letzten Tage ausgewertet und Gespräche hinsichtlich der Notwendigkeit des Ehrenamtes in Deutschland und der Fortführung solcher internationaler Jugendbegegnungen geführt.

Und am Montag ging es gleich technisch weiter. Auch im Ortsverband Rostock hatte man Stationen vorbereitet. Schere und Spreizer, Hebekissen, Einsatzgerüstsystem ? mitmachen war angesagt.

Begleitet wurden wir an diesem Tag von einem Kamerateam, welches im Rahmen des 10-jahrigen Bestehens Internationaler Jugendaustauschprojekte auch einen Beitrag der THW-Jugend in Mecklenburg-Vorpommern einfließen lassen möchte.

Am Nachmittag besichtigten wir die Liebherr-Akademie in Rostock

und bekamen mit einer Führung durch die Ausbildungs- und auch durch die Produktionshallen einen Einblick in das Unternehmen, in deren Ausbildungsbereiche und in die Zusammenarbeit zwischen Liebherr und dem THW.

Der Dienstag gestaltete sich wieder etwas kultureller. Der stellvertretende Ortsbeauftragte des OV Schwerin arbeitet im Schweriner Schloss und ließ es sich an diesem Tag nicht nehmen, uns persönlich durch den Regierungssitz des Landes Mecklenburg-Vorpommerns zu führen. Wir warfen einen Blick in das Kellergewölbe und auf dem Weg zum Dach, von welchem wir einen herrlichen Blick über Schwerin hatten, nahmen wir auch in einem der Tagungsräume Platz.

Anschließend besuchten wir das Internationale Feuerwehrmuseum in Schwerin, wo längst vergessene Exponate, restaurierte Fahrzeuge, Uniformen und Gerätschaften aus Deutschland und anderen Ländern die staunenden Blicke auf sich zogen.

Und dann folgte eine lange Busfahrt, denn wir verließen das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern mit Ziel Hoya in Niedersachsen.

Dort hatten wir uns für den Mittwoch in der THW-Bundesschule angemeldet. Führungen über das Gelände der Schule, über das Übungsgelände und ein anschließender Besuch des Wasserübungsplatzes in Barme interessierte nicht nur unsere Gäste, sondern stieß auch bei uns jungen THW´lern auf großes Interesse. Wann bekommt man als Junghelfer mal die Chance, nach Hoya zu reisen?

Ein besonderes Highlight und einen krönenden Abschluss bot uns der Historiker Georg in seiner historischen Sammlung von Wasserfahrzeugen.

Am Donnerstag hieß es Abschied nehmen. Mit so vielen Tränen auf unserer als auch auf russischer Seite hatten unsere Betreuer wohl nicht gerechnet. Trotz des schweren Abschieds freuen wir uns auf weitere gemeinsame Projekte und auf die Begegnung im nächsten Jahr in Orenburg.

Insgesamt haben wir hier in Deutschland knapp 2600 km zurückgelegt und erlebnisreiche 10 Tage verbracht, die von Herzlichkeit und Freundschaft geprägt waren.

Riesig gefreut haben wir uns über die Unterstützung der einzelnen Ortsverbände und über den Besuch von Bundesjugendleiter Ingo Henke.

Ein großes Dankeschön geht an die Bundespolizei und die THW-Landesverbände HHMVSH und BEBBST für die Bereitstellung der Reisebusse und an unsere Busfahrer Lars, Micha und Paul und an unsere Dolmetscher Anastasia, Eugen und Alexander, ohne die diese Jugendbegegnung nicht möglich gewesen wäre.